Klassenfahrt der Friedhofsgärtner-Oberstufe zur KZ-Gedenkstätte in Dachau

16. Mai 2019
Print Friendly, PDF & Email

Die Friedhofsgärtner-Oberstufe 2018/19 des Berufskolleg Essen-Ost unternahm im Rahmen des Projekts „Wenn nur noch Steine bleiben“ vom 24.-27.01.2019 eine Klassenfahrt zur KZ-Gedenkstätte in Dachau.

Das Projekt „Wenn nur noch Steine bleiben“ wird in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der UNESCO-Schule Essen, dem Viktoria-Gymnasium Essen, dem Burg-Gymnasium Essen sowie Herrn Thomas Hammacher von der Agentur „Scopium“ durchgeführt.

Donnerstag, der 24.1.2019: Treffpunkt um 7:15 Uhr vor der UNESCO-Schule in Essen. Nachdem der Bus von der Polizei gecheckt und freigegeben wurde, ging es um 8 Uhr mit insgesamt 42 Schülern in Richtung Dachau los.

Nach einer fast staufreien, zügigen, aber auch ereignisreichen Busfahrt kamen wir gut gelaunt kurz vor 17 Uhr in Dachau vor der Jugendherberge an.

Zimmervergabe, frisch machen, runter zum Abendessen, große Augen machen: Das Essen war einer Jugendherberge mehr als würdig; reichhaltige bayerische Küche und sehr lecker! Eigentlich hätten wir um 19 Uhr schon pappsatt ins Suppenkoma fallend auf unseren Zimmern verschwinden können. Aber die Schüler waren noch unternehmungslustig, und so wurde die Jugendherberge und deren Umgebung noch erkundschaftet, obwohl die Temperaturen der Jahreszeit entsprechend um den Gefrierpunkt lagen. So ging der erste Tag auch schon allmählich zu Ende.

Freitag, 25.01.2019: Nach einer mehr- oder weniger erholsamen Nacht (im Gegensatz zum sehr guten Essen waren die Betten einer Jugendherberge leider erwartungsgemäß durchgelegen und unbequem), ging es zum ebenfalls sehr guten und reichhaltigen Frühstück. Jedoch mussten wir uns etwas beeilen, war doch der erste Programmpunkt des Tages „schon“ um 9:15 Uhr in der KZ-Gedenkstätte Dachau angesetzt. Nach 15 Minuten Fußmarsch waren wir dort angekommen.

Kurze Orientierung und schon ging es in den Seminarraum, wo die Referenten der KZ-Gedenkstätte auf uns warteten. Es gab eine kurze Vorstellungsrunde, und so lernten sich auch die Schüler der Fahrt untereinander kennen, da sich die Klassen der vier teilnehmenden Essener Schulen vorher noch nie vollständig getroffen und kennen gelernt hatten.

Nun stellten die SchülerInnen der drei anderen Schulen ihre 10 erarbeiteten Biographien in ca. 20 Minuten dauernden Vorträgen vor.

Hintergrund: Es gibt auf dem Parkfriedhof in Essen eine Kriegsgräberanlage von 52 Kriegsopfern, die sich in keine gängige Kategorie einordnen lassen (z.B. Soldaten, Juden, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene o.ä.). Es sind Bürger der Stadt Essen, die aus den verschiedensten Gründen in ein KZ verbracht und dort ermordet wurden (Kategorien der Nazis in den KZ’s: z.B. „Asoziale“, „Bibelforscher“, „Homosexuelle“, „Berufs-verbrecher“, „Sonderabteilung Wehrmacht (SAW)“, usw.).

Allen gemeinsam war, dass diese Menschen in Essen gelebt haben und von den Nazis verfolgt und in einem KZ ermordet wurden.

Die diesjährige Fahrt führte uns nach Dachau, da hier 10 dieser 52 Menschen ermordet wurden. Unter den Zuhörern waren unsere beiden Referenten, sowie auch der Leiter des Gedenkstättenarchivs Herr Jost und, soweit ihre Zeit es zuließ, weitere Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte, so dass im Anschluss an jeden Vortrag fachlich sehr interessante und oftmals auch weiterführende Gespräche zwischen Schülern und Mitarbeitern der Gedenkstätte entstanden.

Während der Mittagspause hatten die Schüler erstmals Gelegenheit, sich die Gedenkstätte auf eigene Faust anzuschauen.

Zum Abschluss der Vorträge stellten die Friedhofsgärtner des Berufskollegs Essen Ost den bisherigen Stand ihrer Planungen für die Umgestaltung der Kriegsgräberanlage vor. Mit Hilfe eines PC’s konnten die Umgestaltungspläne mittels Beamer visualisiert werden. Auch hiervon waren die Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte sichtlich beeindruckt.

Letztlich war es ein sehr erfolgreicher (Arbeits-)Tag in der KZ-Gedenkstätte. Obwohl die Schüler tolle und interessante Vorträge gehalten hatten, waren nun doch alle froh, sich endlich wieder bewegen zu können (und zu dürfen).

In der Jugendherberge erwartete uns wiederum ein üppiges und warmes Abend-essen. Den Abend verachten die Schüler mit verschiedensten Aktivitäten in und außerhalb der Jugendherberge. Da die deutschen Handballer am Abend gegen Norwegen das Halbfinale der WM verloren (Schuld waren übereinstimmend die Schiedsrichter!), war die Stimmung in der Jugendherberge kurzfristig etwas bedrückt!

Samstag, 26.01.2019: Auch heute Morgen ging es wieder um 9 Uhr durch die Kälte zur KZ-Gedenkstätte. Es standen die Führung und zwei Seminare auf dem Programm.

Die Führung begann mit einem ausführlichen Gang durch die Ausstellung der KZ-Gedenkstätte. Uns wurden viele bisher unbekannte grausame Tatsachen des Lagerlebens gezeigt und erklärt. Das Grauen der damals begangenen Taten wurde immer deutlicher nachvollziehbar. Nach der Ausstellung wurde uns eine Baracke mit Schlafplätzen (als „Betten“ kann man diese Holzgestelle nun wirklich nicht bezeichnen!), Toilettenanlage und Waschgelegenheit gezeigt. Im Zusammenhang mit der genannten Belegungszahl war ein menschenwürdiges Leben unmöglich!

Der grausame „Höhepunkt“ waren die beiden Krematorien („altes“ und „großes“) mit Gaskammer und Totenkammern. Jedem einzelnen Schüler wurden die hier verübten Grausamkeiten vollends bewusst! Auf weitere Schilderungen soll an dieser Stelle verzichtet werden, nur noch mein persönlicher Hinweis: Jeder Mensch sollte sich, entsprechendes Alter und Reife vorausgesetzt, eine KZ-Gedenkstätte mit einer Führung (!) einmal anschauen, um das damals verübte Grauen wirklich begreifen zu können.

Auch wenn wir nach der Führung nicht mehr den allergrößten Hunger hatten, war Mittagspause. Diese wurde zur Erholung, aber auch zur Vertiefung, genutzt.

Für den letzten Programmpunkt wurde die Gruppe aufgeteilt: Eine Gruppe besichtigte die Gedenkstätte „SS-Schießplatz Hebertz-hausen“, wo Massenerschießungen von sowje-tischen Kriegsgefangenen verübt wurden.

Die andere Gruppe besuchte das Seminar „Was geht mich das an?“. Hier wurden verschiedene Medien/Berichte aus unter-schiedlichen Nachkriegsepochen von Kleingruppen bearbeitet und aus eigener Sicht vorgetragen.

Zitat eines Schülers: „Am meisten hat mich gefreut, dass die Lehrer auch ein Thema bearbeiten und vortragen mussten!“ – Bitte, gerne geschehen!

Kurz vor dem Abendessen waren die beiden Tage in der KZ-Gedenkstätte abgeschlossen. Wir hatten viel gehört, viel gesehen, viel erfahren, viel nachgedacht. Nicht Wenige waren wohl auch froh, diesen Ort des Grauens endgültig verlassen zu dürfen. Man gewöhnt sich eben doch nicht an alles!

Der insgesamt guten Laune in der Gruppe taten diese zwei Tage in der KZ-Gedenkstätte jedoch keinen Abbruch. Der Tag endete wieder mit einem leckeren Abendessen in der Jugendherberge.

Sonntag, der 27.01.2019: Ein letztes Mal das rechhaltige Frühstück in der Jugendherberge genießen, Kofferpacken, Zimmerkontrolle, Gruppenfoto vor der Jugendherberge, Einsteigen, ein letztes Mal durchzählen und los ging es Richtung Heimat! Komischerweise verkleinerte sich das Volumen der Blase der Schüler mit zunehmender Reisedauer immer mehr, so dass teilweise schon 15 Minuten nach dem letzten Halt wieder die Frage nach einer Toilettenpause kam. Da es jedoch durchweg in Strömen regnete, war die Aussicht auf einen Halt abseits eines Parkplatzes mit einer Rastanlage sehr gering, so dass die Leidensfähigkeit sprunghaft wieder deutlich anstieg.

Nach einer staufreien Fahrt waren wir um 17 Uhr wieder in Essen angekommen. Kurze Verabschiedung und so ging dann auch diese Klassenfahrt gut, unfallfrei und ohne größere Probleme zu Ende; jedoch nicht ohne darauf hinzuweisen, dass am morgigen Montag die Schule pünktlich um 7:45 Uhr wieder für alle (auch für die Lehrer!!!) beginnen würde.

Ich denke, dass rückblickend für alle Teilnehmer gesagt werden kann, dass trotz des Themas und Ort der Fahrt es allen Spaß gemacht hat.

verfasst von

Thomas Offergeld

Comments are closed.